Wer im Krankenhaus liegen muss, der kann viel freie Zeit dazu nutzen, nachzudenken, sich zu beschäftigen oder etwas dafür tun, gesünder zu werden. Wenn man nach einer Operation am Genesen ist, ist ärztliche Überwachung zwar nötig, aber vielen geht es nicht mehr so schlecht, dass sie den ganzen Tag im Bett bleiben müssen. Ein Tag im Krankenhaus beginnt schon sehr früh. Die Schwestern haben meistens um sechs Uhr Schichtwechsel, wobei hier eine Übergabe von der Nachtschicht auf die Frühschicht erfolgt. Bereits vorher versuchen die Nachtschwestern, die bettlägerigen Patienten zu waschen und zu versorgen. Dabei liegt es daran, ob es eine internistische oder stationäre Station ist, wie viele Patienten dies sind. Auf der chirurgischen Station werden viel weniger Pflegefälle liegen, als auf der internen.
Nach der Übergabe werden die Betten auf der ganzen Station gemacht. Das Teegeschirr der Nacht wird eingesammelt und viele andere Ordnungsarbeiten übernommen. Jeder Patient bekommt ein Guten Morgen, auch wenn dieses manchmal klingt, als stamme es aus eingerosteten Dosieranlagen, die zwar noch ihre Leistung bringen, aber schon etwas mitgenommen sind. Auch unter den Krankenschwestern befindet sich mancher Morgenmuffel, oder auch Personen, die nicht gerade vor Freundlichkeit sprühen. Hier muss man angesichts der schweren Tätigkeit, die die Schwestern, die Helferinnen und auch die Praktikanten auf der Station leisten, schon einmal ein Auge zudrücken. Oftmals sind Patienten auch nicht freundlich, und manchmal spielt auch privater Stress eine Rolle.
Kaum ist die erste Runde über die Station beendet, steht der Essenswagen aus der Küche das erste Mal an diesem Tag zur Abholung bereit. Das Frühstück muss verteilt werden, manche Patienten können nicht selber essen. Ihnen müssen die Schwestern das Mahl vorbereiten oder sie sogar füttern. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Medikamente eingenommen werden, die nötigen Spritzen verabreicht werden und die Infusionen ausgetauscht werden, sofern dies noch nicht beim Betten Machen geschehen ist. Ist das Geschirr eingesammelt, geht ein Trupp zum Betten Beziehen los, während der andere sich auf die Visite vorbereitet. Somit vergeht schon der gesamte Vormittag, und schon geht es mit dem Mittagessen weiter. Wenn dieses geschafft ist, warten noch einige kleinere Aufgaben, bis es Zeit zur Übergabe an die Nachmittagsschicht ist.
Am Nachmittag werden dann die Medikamente für den nächsten Tag vorbereitet, die Infusionen beschriftet und die Spritzen bereit gelegt, die die Patienten bei der Abendrunde noch bekommen. Dank modernster Dosieranlagen enthalten alle Medikamente die richtige Dosis an Wirkstoff, sodass dies sehr vereinfacht ist. Der Medikamentenschrank muss, wie auch das Wäschelager und die Kammer mit den Gebrauchsmaterialien, wie Einmaltücher und Handschuhe, stets aufgefüllt werden. Zwischendurch klingelt immer mal wieder ein Patient nach der Schwester, der neu verbunden werden will, eine Frage hat, oder Hilfe beim Toilettengang benötigt. Sicherlich ist in jeder Schicht eine kurze Pause möglich, aber die meiste Zeit sind alle Schwestern ununterbrochen auf den Beinen. Ärzte verlangen Handreichungen, Patienten müssen vom OP geholt oder dorthin gebracht werden, Neuzugänge müssen versorgt werden und vieles mehr. Dabei kommt es oft noch dazu, dass die Patienten aufgebaut werden müssen, durch freundliche Worte oder auch kleine Spaziergänge, die sie alleine nicht schaffen würden.
So vergeht der Nachmittag wie im Fluge, und meistens zwischen 17 und 18 Uhr wird dann das Abendessen verteilt, unter dem gleichen Ritual, wie die beiden vorhergehenden Mahlzeiten. Auch hier muss natürlich das Geschirr wieder in den Wagen zurück, zugleich werden die Patienten für die Nacht mit Tee und Bedarfsmedizin, wie etwa Schlafmitteln, versorgt. Auch jetzt wird alles zur Übergabe an die Nachtschwester vorbereitet, die natürlich alle Informationen braucht, wer frisch operiert ist, wer Schmerzen hatte, wer an Durchfall oder auch Depressionen leidet und vieles mehr. Der Beruf der Krankenschwester ist durchaus kein Honigschlecken, vor allem weil man auch vielen psychischen Belastungen, zu denen auch der Tod junger Patienten gehört, ausgesetzt ist.
